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Feminist Sober Killjoy?

Heute ist der 1. März 2018. Das bedeutet für mich inzwischen elf Monate Alkoholabstinenz, das Jahr schickt sich also an, bald voll zu sein (Wortwitz!). In der Zwischenzeit habe ich mich lange nicht zu Wort gemeldet. Das hatte viele Gründe, etwa, dass ich in der Zwischenzeit meine Masterarbeit geschrieben und mein Zweitstudium abgeschlossen habe, fast einen Monat im Urlaub war (ja, Hawaii ist wirklich so schön wie im Fernsehen) und - bevor ich es vergesse - einen Marathon gelaufen bin. Der allerwichtigste Grund aber ist dieser: Das Nicht-Trinken spielt einfach nicht mehr so eine große Rolle. Damit mich niemand falsch versteht, gewissermaßen spielt es natürlich eine riesige Rolle. Ich habe keine Ahnung, oh nein, ich korrigiere mich, ich habe eine sehr deutliche Ahnung, wie das Leben wäre, wenn ich noch trinken würde. Und ich bin kein bisschen traurig über die Tatsache, dass ich es nicht erlebe. Es macht NATÜRLICH einen Riesenunterschied! Aber: Nicht-Trinken ist i...

100 Tage

Gestern war Sonntag. Es war auch der 100. Tag, der seit meiner Entscheidung, keinen Alkohol mehr zu trinken, vergangen ist. Es war kein außergewöhnlich schöner Tag. Es war ein Tag voller Selbstzweifel. Ein Tag mit zu wenig Antrieb und zu viel Unzufriedenheit. Es war ein Tag, an dem ich viel geschlafen, mich etwas mit dem besten aller Freunde gestritten habe und einfach schlechte Laune hatte. Es war aber auch kein außergewöhnlich schlechter Tag. Es war zum Beispiel ein Tag, an dem der beste aller Freunde mich selbstlos ins Freibad begleitet hat. Und mich zu einem Essen eingeladen hat. Da haben wir angestoßen, mit alkoholfreiem Bier. Auf 100 Tage ohne Alkohol. Keinen Alkohol zu trinken löst nicht jedes Problem. Aber es gibt kein Problem, das sich durch Alkohol lösen lässt.

50 Tage

Heute sind es 50 Tage, in denen ich keinen Alkohol getrunken habe. Sieben Wochen also, das ist ein bisschen länger als die Fastenzeit, die zumindest viele Kölner traditionell zur Entgiftung nach dem Karnevalsexzess nutzen. 50 Tage - ist das jetzt wirklich so ein großes Ding? Ja und nein. Ja, denn es geht mir zunächst einmal vor allem körperlich ein ganzes Eckchen besser. In meinem speziellen Fall heißt nicht mehr trinken nämlich außerdem auch nicht mehr rauchen, denn ich war Hardcore-Alko-Raucherin: Ich rauchte eigentlich nur zum Glas, ohne schmeckt es mir irgendwie nicht. (Nicht mehr, denn ich habe locker zehn Jahre ganz regulär geraucht, so 15 bis 20 Zigaretten am Tag; aber dann kam Sport und das ging irgendwie nicht zusammen - und außerdem durfte man irgendwann auch nirgends mehr rauchen.) Aber dann richtig. Nicht ein, zwei geschnorrte - an Partyabenden (das konnte im Zweifelsfall aber auch ein Abend am Telefon sein) war es dann schnell eine ganze Packung. Plus geschwänztes Abe...

Trinkt aus, wir reden

Es ist das Jahr 2017, ich bin eine vor einiger Zeit 32 Jahre alt gewordene Frau und vor genau 47 Tagen habe ich das Weinglas weggestellt. Okay, so viel zur Titelanalyse. Auf geht's zur nächsten Ebene: Es ist das Jahr 2017, und, Überraschung, es hat so seine Tücken, 32 und weiblich zu sein. Es hat vielleicht auch einfach so seine Tücken, ich zu sein. Aber mehr dazu später. In dieser Gesellschaft, in der wir hier so fröhlich vor uns hin leben, gibt es ein paar Dinge, die man ganz grundsätzlich einfach nicht bringen kann: Gewalt. (Man schlägt keine Leute.) Arbeitslos werden. (Faul! Gesellschaftlicher Beitrag! Krieg das auf die Reihe!) Keinen Alkohol trinken. (Warum? Bist Du schwanger? Gibt es einen Grund? Bitte rechtfertige Dich!) Ein Alkoholproblem haben. (Ohne Worte. Hast Du nicht. Bist Du nicht.) Wer ein Problem mit dem Trinken hat, hat sich nicht im Griff, da sind sich alle einig. Kontrollverlust, Willensschwäche, überhaupt sind Alkoholprobleme etwas für Ver...